Eigentlich bin ich ganz anders …

MONTAG 18:30 → Mein Schreibtisch, Wien 12.

Drei Klienten heute. Drei Mal die exakt gleiche Antwort auf meine Provokation: »Ich weiß eh, was ich tun muss.«

Eigentlich. Das teuerste Wort der deutschen Sprache. Es ist ein bisserl wie ein Maurer-Dekollté: Du weißt genau, dass es gleich kommt, willst eigentlich wegschauen, aber dein Blick bleibt trotzdem hängen.

»Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur nicht dazu.« — Ödön von Horváth

Wissen ist nämlich nicht dein Problem. Das hattest du meist schon vor drei Jahren. Das Tun ist die Hürde. Dein persönlicher Autopilot sitzt fest am Steuer — eine jüngere Version von dir, die damals verdammt gute Gründe hatte, genau so zu handeln. CBT nennt das eine konditionierte Reaktion, Jung nennt es den Schatten.

Das Intention-Action Gap: Warum Disziplin nicht die Lösung ist

In der Psychologie nennt man diesen Raum zwischen Wissen und Tun das Intention-Action Gap. Das Spannende daran: Die meisten Menschen glauben fest daran, ihr Problem sei mangelnde Disziplin oder Motivation. Geh bitte!

Das wahre Problem ist dein Autopilot, der mit einer völlig veralteten Karte navigiert. Dein Nervensystem hat irgendwann zwischen dem dritten und dreizehnten Lebensjahr gelernt: »So überlebst du.« Und jetzt spult es dieses Programm in Endlosschleife ab, obwohl die Bedrohung von damals längst Geschichte ist.

Der Horváth-Satz trifft den Nagel auf den Kopf — nicht weil er lustig ist, sondern weil er die tragische Wahrheit ausspricht: Wir wissen genau, wer wir sein könnten, kommen aber vor lauter Gewohnheit einfach nicht dazu, es auch zu werden.

Genau hier setze ich mit meinen Klienten an. Nicht bei der Motivation. Nicht beim Plan. Sondern bei der Karte, die der Autopilot benutzt. Weil sich erst etwas ändert, wenn du verstehst, warum du tust was du tust — nicht erst, wenn du weißt, was du tun solltest.

Deine Abend-Reflexion (2 Minuten, Notiz-App reicht)

Schreib drei Dinge auf, die du diese Woche »eigentlich« tun wolltest. Dann schreib daneben: Was hast du stattdessen getan? Und: Was hat sich daran so vertraut angefühlt wie der Duft einer frisch gemahlenen Melange?

Wenn du tiefer gehen willst: Schau dir die drei Dinge nebeneinander an. Erkennst du die Handschrift? Nicht deine — die deines Autopiloten?

Der Raum zwischen eigentlich und getan — das ist die Spielwiese deines Autopiloten.

Welche Entscheidung hast du diese Woche eigentlich getroffen — aber nicht umgesetzt?

Katzen gefüttert. Espresso Nummer vier. 4-4-6.

Ruth Pauline Wachter

RE-ACT Consulting ist ein eingetragenes Einzelunternehmen, das seit 2012 von Mag. Ruth-Pauline Wachter für den Zweck der Unternehmensberatung und psychosozialen Beratung genutzt wird. RE-ACT Consulting hat als Firmensitz Niederösterreich (2440 Gramatneusiedl) ins Firmenbuch eingetragen. Die operative Betriebsstätte ist in 1120, Wien.

http://www.rpwachter.com
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I chased because what I attracted, I killed

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