I chased because what I attracted, I killed
SAMSTAG 18:30 → Wien 12. Mein Sofa. Espresso (decaf)
Ich rede viel über Schattenarbeit. Heute rede ich über meine eigene.
Ich habe in den letzten Monaten etwas gemacht, das in der Theorie einfach klingt und in der Praxis verdammt weh tut: Ich habe einen Aspekt meiner Persönlichkeit aus dem Schatten geholt und direkt in mein Leben gestellt. Thema: Beziehungen.
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Der Markt der guten Ratschläge
Glaubt mir, ich kenne den Markt. Kindheit aufgearbeitet — erledigt. Kognitive Übungen — gemacht. Cord Cutting — ja, auch das. Unzählige Gespräche mit Freunden und Familie, die es alle besser wussten. Der Klassiker: »Dann nimm halt jemanden, den du nicht so anziehend findest, dann bleibst du wenigstens nicht allein.«
Danke. Sehr hilfreich.
Ich bin einige Jahrzehnte in diesen Schuhen gewandert. Bis irgendwann über die Jung’sche Analyse rauskam, wo das Ding wirklich sitzt: Mein Verständnis, wie ich Beziehungen führen will, saß im Schatten. Nicht das Wollen — das Wie. Ich bin in allem was ich tue lösungsorientiert, innovativ, bold. Aber in Beziehungen? Impulsiv. Wirr. Als würde jemand anderes das Steuer übernehmen.
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Wenn der Schatten flüstert
Da hilft kein Mantra. Kein »I don’t chase, I attract.« Nicht wenn dein Schatten flüstert: »I chase because what I attract, I kill.« Soviel mutige und schmerzfreie Männer gibt es ja heutzutage einfach nicht mehr.
Also hab ich das gemacht, wofür ich mir mit meinen Klienten Zeit nehme: Das Ding aus dem Schatten geschubst. Direkt rein in die Persönlichkeit. Tägliche Sitzungen. Mit mir selbst. Kein Therapeut, kein Coach, kein Buch. Nur ich, mein Tagebuch und die Bereitschaft, mir selbst gegenüber genauso ehrlich zu sein wie ich es von meinen Klienten verlange.
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Was passiert wenn es funktioniert
Hat funktioniert. Mein Umfeld hat es mir gespiegelt bevor ich es selbst gemerkt habe. Wie beim Savannah — die Welt reagiert auf das was du bist, nicht auf das was du sagst.
Aber hier ist die Wahrheit, die dir niemand sagt: Je sicherer du dich fühlst, desto härter werden die Tests von außen. Als würde das Universum nochmal nachfragen: »Bist du sicher? Wirklich sicher?«
Ja. Bin ich.
Bin ich noch Single? Ja, bin ich. Aber »I don’t chase«, weil was passt darf kommen und leben.
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Dein Reflexions-Tool
Welcher Aspekt deiner Persönlichkeit funktioniert überall — nur in einem bestimmten Lebensbereich nicht? Wo bist du plötzlich jemand anderes als die Person die du eigentlich bist? Und was würde passieren wenn du dort genauso auftrittst wie überall sonst? P.S. meine Klienten müssen zwar nachdenken, aber ich verrat ihnen auch ihren Schatten.
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Espresso ist aus. 4-4-6.